Die Impulse kommen eindeutig aus der Landeskirche: Bereits in der Herbstsynode 2020 wurde deutlich, dass die Landeskirche in mittlerer Zukunft mit 20% geringeren finanziellen Mitteln auskommen muss; gleichzeitig sehen die Verantwortlichen den Bedarf, ca. 10% ihres Haushalts in neue Aufgaben und Zukunftsthemen investieren zu müssen. Was zur Folge hätte, dass in Zukunft 30% der aktuellen Ausgaben nicht mehr getätigt werden können. Wo genau zu sparen wäre, blieb im Oktober 2020 noch offen.
„Die Evangelische Landeskirche in Baden steht am Beginn eines umfassenden Transformationsprozesses“, erklärte Synodalpräsident Axel Wermke (Ubstadt-Weiher) zu Beginn der Frühjahrstagung 2021. Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh wollte das geistlich eingeordnet wissen: Bei allen Fragen nach dem, was zu organisieren und zu finanzieren ist, sei es wichtig, dass „das Wasser des Lebens in Gottes Zukunft führt und uns alles geben wird, was wir zum Leben brauchen und was wir brauchen, um als Kirche in dieser Welt zu leben.“ Mit dem Wasser des Lebens fließe neuer Lebensmut in unsere Herzen. Er wünsche sich, „dass wir uns als Kirchen mitreißen lassen, das Gottvertrauen in der Gesellschaft stärken und da sind für andere“, erklärte der Landesbischof. Und der für Finanzen zuständige Oberkirchenrat Martin Wollinsky (Karlsruhe) sah die Hauptaufgabe darin, eine gute Balance zu finden „zwischen der eigenen Verantwortung und dem Vertrauen auf Gott, zwischen Aufbrechen und Sich-lenken-lassen, zwischen Konsolidieren und Gestalten.“ Der anschließend verabschiedete Doppelhaushalt der Landeskirche für die Jahre 2022/23 sieht zum Ende des Zeitraums bereits einen inflationsbereinigten Rückgang von 6% gegenüber den Vorjahren vor. Für die langfristige Finanzplanung wurde ein breiter Beteiligungsprozess angekündigt, so dass die Ausgestaltung in den Händen von Kirchengemeinden und Kirchenbezirken liege. Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Helmut Wießner (Wertheim) sah voraus: „Wir werden auf vieles Liebgewordene verzichten müssen, aber auch vieles dazu gewinnen, was uns lieb werden wird.“
Bis zur Herbstsynode 2021 wurde klar, dass die Einsparungen auf allen Ebenen stattfinden müssen, Kirchengemeinden vor Ort aber insbesondere in zwei Punkten von Einsparungen betroffen sein werden: bei den von der Landeskirche finanzierten Pfarr- und Diakonenstellen sowie bei den Bauzuschüssen für die Instandhaltung von Gebäuden. Ein Ressourcensteuerungsgesetz verlangt von den Kirchenbezirken, dass sie sich auf die voraussehbaren Veränderungen ihren regionalen Gegebenheiten entsprechend vorbereiten. Landessynodaler Carsten T. Rees brachte die Aufgabe auf die beiden Begriffe 'Reduktion' und 'Transformation'.
Es wurde weiter konkretisiert: In Bezug auf die Gebäude wurde in Aussicht gestellt, dass 2050 nur 30 bis 45 % des aktuellen Bestands vorhanden sein sollen; diese sollten dann aber insgesamt klimaneutral und dem Auftrag der kirchlichen Arbeit entsprechend (attraktiv) aufgestellt sein. Investitionen gäbe es nur noch in Gebäude, die eine langfristige Perspektive haben.
Auch der Personalpool an Pfarrer/inne/n und Diakon/inn/en wurde bereits für die Zukunft abgesteckt, bei einigen anderen Berufsgruppen auf Bezirksebene (Kantorate, Erwachsenenbildung, Religionsunterricht, Kinder- und Jugendwerke) gab es auf der Herbstsynode 2021 keine Festlegung: Der Prozess geht auf allen Ebenen weiter.