Evang. Kirchenbezirk Mosbach

Info zum Beratungs- und Entscheidungsprozess im Kirchenbezirk

 
 

Diverse Impulse

Der Strategieprozess unserer Landeskirche "EKiBa 2032" umfasst künftige Strukturen und Formen kirchlichen Arbeitens: WER will und kann WAS zusammen WO machen? Seit 2020 wurden Schritte gemacht, um die Kirche in der Region zukunftsfähig zu machen. Dazu zählen neue Impulse, Menschen anzusprechen, Kooperationsräume für regionale Zusammenarbeit und die Reduzierung der Gebäudelast für Kirchengemeinden und die Landeskirche.
Die folgenden Momentaufnahmen lassen den Prozess etwas nachvollziehen:
 

Fotoportrait Dekan Folkhard Krall
Unter dem Motto "Kirche wird sich ändern - gemeinsam geht es besser" wendet sich Dekan Folkhard Krall an die Gemeinden im Kirchenbezirk mit Informationen zum Planungs- und Entwicklungsprozess der Jahre 2022/23. Notwendige Einsparungen sieht er auch als Möglichkeit, sich von Dingen zu trennen, die in der Vergangenheit hilfreich waren, aber in Zukunft zur Belastung zu werden drohen. Er appelliert zugleich an alle interessierten Gemeindeglieder, sich an Gesprächen und gemeinsamem Nachdenken mit den Kirchenältesten vor Ort zu beteiligen! Insgesamt sieht er die Möglichkeit, dass sich Interessierte im Kirchenbezirk zu gemeinsamen Absprachen vernetzen könnten.
Möglicherweise haben Sie seinen Aufruf zur Mitwirkung bereits in Ihrem Gemeindebrief gelesen - oder Sie lesen den kompletten Brief an die Gemeinden online / als PDF. Bringen Sie sich ein!
 

Folgender 'Fahrplan' für den Beratungs- und Entscheidungsprozess zur Zukunft kirchlicher Strukturen im Evang. Kirchenbezirk Mosbach wurde im November 2021 für das Jahr 2022 vorgelegt:
Nov. 2021 Bezirkssynode: Meine Kirche und ich
Jan. 2022 Predigtreihe über die Frage, was Kirche ausmacht
Jan.-März
Kirchengemeinden nehmen ihre Situation wahr,
tragen Zahlen, Daten und Fakten zusammen
und beschreiben ihren Bedarf (was ist das Wesentliche?)
andere Arbeitsfelder (z.B. Diakonie) klären, für wen sie da sind und mit wem sie vernetzt sind
bis Juli 2022 Gemeinden tauschen sich mit Nachbargemeinden aus und
entwickeln gemeinsam neue Perspektiven (Kooperationen)
und melden diese an den Bezirk
 
Bereits Ende des Jahres soll es einen Strukturplan für das Jahr 2032 geben. Die Umsetzungsplanung erfolgt voraussichtlich danach. Dieser konzentrierten Planungsphase folgt die Realisierung der Planungen in Schritten bis 2036 (kirchl. Personal) bzw. 2050 (kirchl. Gebäude). Nach der Amtszeit der jetzigen Kirchenältesten folgen also in Bezug auf die Gebäude fünf Wahlperioden für die Umsetzung der Beschlüsse.
 

Kirche zugleich im Auf- und Umbruch: Das verlangt etwas Schwung! "Gott ist dabei" ist die Botschaft, die die Aufmunterung dazu gibt. Hier in einer sommerlichen Version von Könnern:
"Gemeinsam auf dem Weg" - neues Kirchenlied fröhlich eingesungen
 

Die Impulse kommen eindeutig aus der Landeskirche: Bereits in der Herbstsynode 2020 wurde deutlich, dass die Landeskirche in mittlerer Zukunft mit 20% geringeren finanziellen Mitteln auskommen muss; gleichzeitig sehen die Verantwortlichen den Bedarf, ca. 10% ihres Haushalts in neue Aufgaben und Zukunftsthemen investieren zu müssen. Was zur Folge hätte, dass in Zukunft 30% der aktuellen Ausgaben nicht mehr getätigt werden können. Wo genau zu sparen wäre, blieb im Oktober 2020 noch offen.
„Die Evangelische Landeskirche in Baden steht am Beginn eines umfassenden Transformationsprozesses“, erklärte Synodalpräsident Axel Wermke (Ubstadt-Weiher) zu Beginn der Frühjahrstagung 2021. Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh wollte das geistlich eingeordnet wissen: Bei allen Fragen nach dem, was zu organisieren und zu finanzieren ist, sei es wichtig, dass „das Wasser des Lebens in Gottes Zukunft führt und uns alles geben wird, was wir zum Leben brauchen und was wir brauchen, um als Kirche in dieser Welt zu leben.“ Mit dem Wasser des Lebens fließe neuer Lebensmut in unsere Herzen. Er wünsche sich, „dass wir uns als Kirchen mitreißen lassen, das Gottvertrauen in der Gesellschaft stärken und da sind für andere“, erklärte der Landesbischof. Und der für Finanzen zuständige Oberkirchenrat Martin Wollinsky (Karlsruhe) sah die Hauptaufgabe darin, eine gute Balance zu finden „zwischen der eigenen Verantwortung und dem Vertrauen auf Gott, zwischen Aufbrechen und Sich-lenken-lassen, zwischen Konsolidieren und Gestalten.“ Der anschließend verabschiedete Doppelhaushalt der Landeskirche für die Jahre 2022/23 sieht zum Ende des Zeitraums bereits einen inflationsbereinigten Rückgang von 6% gegenüber den Vorjahren vor. Für die langfristige Finanzplanung wurde ein breiter Beteiligungsprozess angekündigt, so dass die Ausgestaltung in den Händen von Kirchengemeinden und Kirchenbezirken liege. Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Helmut Wießner (Wertheim) sah voraus: „Wir werden auf vieles Liebgewordene verzichten müssen, aber auch vieles dazu gewinnen, was uns lieb werden wird.“
Bis zur Herbstsynode 2021 wurde klar, dass die Einsparungen auf allen Ebenen stattfinden müssen, Kirchengemeinden vor Ort aber insbesondere in zwei Punkten von Einsparungen betroffen sein werden: bei den von der Landeskirche finanzierten Pfarr- und Diakonenstellen sowie bei den Bauzuschüssen für die Instandhaltung von Gebäuden. Ein Ressourcensteuerungsgesetz verlangt von den Kirchenbezirken, dass sie sich auf die voraussehbaren Veränderungen ihren regionalen Gegebenheiten entsprechend vorbereiten. Landessynodaler Carsten T. Rees brachte die Aufgabe auf die beiden Begriffe 'Reduktion' und 'Transformation'.
Es wurde weiter konkretisiert: In Bezug auf die Gebäude wurde in Aussicht gestellt, dass 2050 nur 30 bis 45 % des aktuellen Bestands vorhanden sein sollen; diese sollten dann aber insgesamt klimaneutral und dem Auftrag der kirchlichen Arbeit entsprechend (attraktiv) aufgestellt sein. Investitionen gäbe es nur noch in Gebäude, die eine langfristige Perspektive haben.
Auch der Personalpool an Pfarrer/inne/n und Diakon/inn/en wurde bereits für die Zukunft abgesteckt, bei einigen anderen Berufsgruppen auf Bezirksebene (Kantorate, Erwachsenenbildung, Religionsunterricht, Kinder- und Jugendwerke) gab es auf der Herbstsynode 2021 keine Festlegung: Der Prozess geht auf allen Ebenen weiter.
 

Es ist Zeit für eine neue Kirche - damit die Menschen, die jetzt lieber Netzflix schauen oder Amazon oder Disney-Channel, vielleicht auch etwas in der Kirche für sich finden! Vielleicht gut, wenn die Kirche in die Krise kommt - damit sie sich neu an den Menschen ausrichten kann!
 

Die aktuellen Reformbestrebungen in der Landeskirche beruhen auf Vorerfahrungen mit dem Anstoßen eines geistigen und strukturellen Aufbruchs.
Kirche im Aufbruch
Die Evang. Kirche in Deutschland hatte bereits 2006 ein Impulspapier 'Kirche der Freiheit' herausgegeben. Zwei Fragen wurden darin beantwortet:
  1. "Was passiert, wenn nichts passiert?" Antwort: Dann kann es dazu kommen, dass die Handlungsmöglichkeiten in Zukunft stark eingeschränkt werden.
  2. "Was tun?" Antworten: a) geistlich profilieren statt Aktionismus, b) nicht überall alles anbieten wollen, sondern Schwerpunkte setzen, die ausstrahlen, c) beweglicher werden mit neuen Formen, nicht am Alten festkleben, d) nach außen schauen, nicht mit sich selbst begnügen.
Teile dieser Antworten wurden in der Öffentlichkeit stark kritisiert. Aber sie sollten damals schon auf die mittelfristigen Finanzperspektiven und die Mitgliederentwicklung eingehen, die in den verschiedenen Landeskirchen aber noch sehr unterschiedlich gesehen wurden. In der badischen Landeskirche führte das vor allem zum Kirchenkompassprozess (mit Landesbischof Dr. Ulrich Fischer): Vergewisserung über die geistlichen Wurzeln und Förderung von innovativen Ideen.
Ein Zukunftskongress 2007 in Wittenberg befasste sich eingehend mit den Ideen des Impulspapiers und seinen 12 Leitlinien. Die Ergebnisse sind noch immer nachzulesen unter www.kirche-im-aufbruch.ekd.de.
Unter dem Begriff 'Liegenschaftsprojekt' war in der Folge in der badischen Landeskirche bereits einmal ein Plan entwickelt worden, Prioritäten für die Gebäude der Kirchengemeinden zu definieren; die Maßnahme hat sich dann aber durch die weitere Entwicklung als unzureichend herausgestellt:
Kirche im Umbruch
2019 legte das Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg eine von beiden großen Konfessionen beauftragte koordinierte Mitglieder- und Kirchensteuervorausberechnung vor. Bis 2060 sei nach dieser Studie eine Halbierung der Mitgliederzahlen und der Finanzkraft zu erwarten, sofern der aktuelle Trend sich unverändert fortsetzt. Es sei nämlich sowohl mit einem Rückgang der evangelischen Bevölkerung zu rechnen (die Kinder der Babyboomer sind weniger als ihre Eltern) als auch damit, dass in der nächsten Generation nicht mehr alle ursprünglich Evangelischen in der Kirche verwurzelt blieben - also zum Beispiel nicht mehr alle Kinder evangelischer Eltern getauft würden. Es kam die Vermutung auf, dass die evangelische Kirche sich tatsächlich in einer Umbruchsituation befindet, die die nachfolgenden Generationen massiv betrifft.
Durch die Corona-Pandemie wurde die Dringlichkeit des Handelns noch beschleunigt. Mitten in der Krise muss das Kunststück gelingen, dass die Kirche ihre geschätzte Verlässlichkeit nicht verliert, gleichzeitig aber für die nächste Generation neue Strukturen für eine veränderte Ausgangslage aufbaut.
 

 
Weitere Anregungen, Gedanken und Fragen finden Sie in unserer Youtube-Playlist zum Thema "Kirche auf dem Weg" - mit kurzen Impulsen genauso wie mit ganzen Gottesdiensten, die sich mit dem Thema "Was ist der Kern von Kirche?" auseinandersetzen.