Monatsspruch Dezember 2017

 

 

 

 

 

 

 

Bücher sind Freunde"

„Bücher sind Freunde!“ mit dieser Haltung bin ich aufgewachsen. Bücher wirft man nicht fort, sondern behandelt sie mit Achtung. Sie kommen nicht ins Altpapier! Deshalb sind die Bücherschränke bei uns daheim übervoll geworden. Ich liebe meine Bücher bis heute.
Beim Durchschauen meiner Schätze fand ich neulich ein kleinformatiges Kinderbuch wieder, fast zerfleddert, so häufig gelesen. Ich erinnerte mich an Tage im Advent, als mir, als Kind noch, daraus vorgelesen wurde.
Zum ersten Mal fiel mir die Widmung im Büchlein auf, mit dünnem Rotstift geschrieben: „ Ein Weihnachtsgrüsslein! von Tante M.  1945“ Das konnte nur die Patin meiner Mutter gewesen sein. Es fehlen Seiten, doch ich nehme an, es ist vor dem 2. Weltkrieg gedruckt worden.
Ich las das Bilderbüchlein erneut, dieses Mal mit der Vorstellung der Wirklichkeit des Jahres 1945.
In freundlichen Versen wird eine Legende zur Entstehung der Lebkuchen, des leckersten Weihnachtsgebäcks, wie ich finde, erzählt: In großer Not, in Zeiten des Krieges und des Hungers erhält ein menschenfreundlicher und freigiebiger Bäckergeselle das Rezept für stärkendes Lebensbrot, das wahrhaft  Hunger und Not beenden kann.
Im Jahre 1945, das weiß ich aus den Erzählungen, hatten meine Mutter, ihre sechs Geschwister, ihre Mutter und der eben aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrte Vater, die notleidenden Freunde ganz gewiss keine Lebkuchen! Sie hatten Hunger und Sehnsucht nach dem Lebensnotwendigen!
Warum hat meine Mutter dieses Weihnachtsgeschenk aufbewahrt, ihren eigenen Kindern daraus vorgelesen und bis zu ihrem Tod aufgehoben? Warum hat sie selber den köstlichsten Lebkuchen gebacken?
„Das Lebensbrot stillt Hungers  Not, heilt meiner Seele Schaden“, so singen wir in einem Kirchenlied  („In Frieden dein, oh Herre mein“, von Friedrich Spitta, EG 222).
Im Lied wird darin der Lobgesang des Simeon in Lukas 2 nachgedichtet. In der Bibel wird berichtet, er hätte sein Leben lang auf den Retter der Welt gewartet. Als er, uralt, im Tempel das neugeborene Jesuskind in den Armen  hält, hat sein Leben seinen Sinn gefunden.
Warten und Hoffen; Wissen, dass das Warten nicht umsonst ist, das ist die Haltung der Christen im Advent. Das Brot des Lebens ist Stärkung auf diesem Weg der Erfüllung.
Tatsächlich ist Lebkuchen als Stärkung der an Leib und Seele Erkrankten zuerst in den Klöstern des Mittelalters gebacken worden. Die Zutaten sind aus der Heilkunde bekannt, Stärkung für die Schwachen. Bereitwillig gaben die barmherzigen Schwestern und Brüder von den Schätzen der Klöster ab, auch den Honig der Bienen, die sie kultivierten. Der Medizin wird ein spiritueller Sinn verliehen, Honig etwa dem Evangelium verglichen.
So wird ein Zeichen des Himmels gegeben. Vorfreude auf das Weihnachtsfest!
Heute quellen die Geschäfte über von Lebekuchen, Stollen und anderem Gebäck. Vielleicht ist es gut, gerade in Zeiten des Überflusses, wieder an den Hunger nach dem Lebensbrot, ganz real und spirituell, zu erinnern:
Im wichtigsten Buch, in der Bibel, in unseren Gottesdiensten, unseren Liedern.

Birgit Lallathin, Pfarrerin Johannes-Diakonie Mosbach


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Tageslosung

Das Zeugnis des HERRN ist gewiss und macht die Unverständigen weise.
Psalm 19,8

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