Zerbrochene Schale in neuem Glanz / Brüche im Leben neu betrachten
Am Freitagabend, den 23.01.2026, ließen sich rund 60 Menschen ins Gemeindehaus Boxberg einladen. Der Vortrag von Frau Kreuzritter „Zerbrochene Schale in neuem Glanz / Brüche im Leben neu betrachten“ wurde um 19 Uhr von der Traueroase der evangelischen Kirchengemeinde Boxberg veranstaltet.
Frau Kreuzritter ist Referentin für Glaubens- und Lebensthemen. Sie wuchs in Sachsen-Anhalt auf, war Pastorenehefrau und ist Mutter von vier Kindern. Ihr Leben blieb an Weihnachten 2010 plötzlich stehen. Nach vielen Therapien, Medikamenten, Klinikaufenthalten, Zeiten der Besserung und auch wieder Zusammenbrüchen beging ihr Mann Suizid.
Sie fragte sich: Warum konnten Sie die Krankheit Depression nicht besiegen? Wo war Gott in dieser Situation? Waren alle, sie, ihr Mann und die Kinder nicht jahrelang segensreich als Missionare für Gott unterwegs gewesen?
Bei einem früheren Erlebnis in Erfurt, wo Christen echte Freude und tiefen Frieden ausstrahlten, was ihr sehr gefiel, schloss sie sich der Gemeinde an und lernte dort ihren Mann kennen. Doch dieser tiefe Frieden, den sie bei sich gespürt hatte, wo war er hin? Ihr Leben hatte sich auf traurige Weise verändert. Die Zeit blieb für sie stehen. Sie hatte Angst und Panik. Sie sagte, sie beerdigte damals ihre Identität. Nichts war mehr wie vorher. Ihre persönliche Schale war zerbrochen! Sie fing an, alles aufzuschreiben. Das Jetzt und die Vergangenheit. Sie wollte alles anschauen. Ihr Leben neu sortieren. Ihre Kinder und Enkel sollten später teilhaben können, sich erinnern können. Durch das Aufschreiben der Erinnerungen von früher und dem Leben im Hier und Jetzt, das unbarmherzig jeden Tag neu startete, begann ihre persönliche Trauerarbeit.
Ihre Traurigkeit brauchte Zeit. Viel Zeit. Und die Trauer wollte umarmt und angenommen werden. Frau Kreuzritter erkannte, dass sie schon damals, als ihr Mann unheilbar an Depression krank wurde, dort schon die Hoffnung hatte, “es wird wieder“. Sie erinnerte sich an Hoffnungsgeschichten der Bibel, wo Jesus z.B. den Sturm anhält und die Wellen besänftigt. Ihre Angststürme, ihre Lebenswellen. Sie merkte, Gott kümmert sich. Um ihre Kinder, um alles. Gerade als sie oft tagelang nach dem Tod ihres Mannes wie eingefroren nur im Bett lag.
Sie sah, dass in all der Zeit der Therapien ihres Mannes, der scheinbaren Heilung und doch wieder des Zusammenbruchs/Rückfalls, sie immer am Glauben festgehalten hatte.
In ihrer eigenen Trauerarbeit bemerkte sie, egal was passiert, sie konnte nie aus Gottes Gnade fallen. Sie sagt: Gott weint mit den Traurigen. Er ist ganz nah. Gott will helfen, er spricht: “Ich bin's! Fürchte dich nicht.” Jesus sah ihren Schmerz und ihre Zerbrochenheit.
Mit der Zeit haben sich Türen für Frau Kreuzritter geöffnet, nach allen Seiten. Sie sagt, Gott war immer bei ihr. Gott schenkte ihr wieder diesen tiefen Frieden, den sie so geliebt und wieder erhofft hatte. Abschließend kann sie für sich zusammenfassen: “Gott hat die zerbrochene Schale aufgenommen, er hat sie repariert, er hat sich erbarmt. Ich habe mich nicht getäuscht.”
Zum Abschluß stellte die Traueroase Boxberg ihre Arbeit vor und eine Teilnehmerin erzählte persönlich, wie gut ihr die monatlichen Treffen tun. Frau Iris Pfister erzählte von Trees of Memories, dem gemeinnützigen Verein für Suizid-Betroffene. Bei Getränken, Büchertischen und Austausch ging, der unter die Haut gehende Abend, zu Ende.
Evelyn Wagner-Reichert, Mitarbeiterin der Traueroase Boxberg






