Gott spricht: Suche Frieden und jage ihm nach!

 Jahreslosung im Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

 

 

Suche Frieden und jage ihm nach"

Mein Patenonkel war Jäger. Stundenlang saß er auf seinem Hochsitz, um Ausschau  nach dem Wild zu halten. In dem schwäbisch-schaffigen Umfeld meiner Familie kam das nicht so gut an. Jetzt, da ich die neue Jahreslosung meditiere, erinnere ich mich fast mit Erleichterung an diesen Ausschnitt meiner Familiengeschichte. Die Jahreslosung lautet: „Suche den Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 43,15). Meine Erinnerung an meinen Jäger-Onkel nimmt etwas von der Härte des Bildes vom „Jagen“. Erst unlängst wurde das Bild vom Jagen (in diesem Fall vom Jagen des politischen Gegners) ja in die politische Diskussion eingebracht, und zwar im Sinne von Ungeduld, Härte und Kompromisslosigkeit. Im Zusammenhang der „Friedensuche“ sind das Beschreibungen, die durchaus dazugehören: Der Frieden auf Erden lohnt allen menschlichen Einsatz. Dazu kann Ungeduld gehört, dazu kann auch mal Härte notwendig sein und schließlich dürfen zur Erreichung des Zieles keine falschen Kompromisse eingegangen werden. Und dennoch verbinden wir mit dem Frieden zuallererst andere Beschreibungen: Gewaltlosigkeit, Friedfertigkeit, Demut, eigene Interessen hintanzustellen, die Suche nach Kompromissen, die Bereitschaft zur Versöhnung, die Fähigkeit, sich in die Rolle des anderen hineinversetzten zu können. Das sind alles Wörter und Begriffe die so ziemlich das Gegenteil vom „Jagen“ sind.  Aber wie gesagt: Zum Jagen in weidmännischer Hinsicht gehört auch das genaue Beobachten, Stille und Aufmerksamkeit für das, was um den Jäger vor sich geht. So, wie es bei der Suche nach Frieden auch darum geht, aufmerksam zu sein für die Bewegungen in dieser Welt, Geduld zu haben mit den Menschen.

Vor gut 100 Jahren endete das große Sterben auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges. Es waren danach zu wenige, die einen Frieden suchten, der aufmerksam war für die Gedanken und Verletzungen der ehemaligen Gegner. Dafür setzte bald im Inneren die Jagd auf politische Gegner ein und nach außen wurde der unversöhnliche Zorn auf die Feinde im zurückliegenden Krieg genährt.

Ob wir – nach noch weit bittereren Erfahrungen im 2. Weltkrieg – gelernt haben, was uns der Psalmbeter empfiehlt und Jesus in seiner Bergpredigt uns sagt: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen?“.

Richard Lallathin

Pfarrer in der Johannes-Diakonie Mosbach

 

 

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