Besinnliches
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Foto: Verena N. / pixelio.de (Ausschnitt)
 

"Suche Frieden und jage ihm nach" (Ps 34,15)
Besinnliches zur Jahreslosung

Wie jagt man als Mann dem Frieden nach?

Wolf-Dieter Steinmann, Rundfunkpfarrer beim SWR - Sendemanuskript der Reihe "Anstöße" vom 8. Januar 2019

„Jagt dem Frieden nach.“ Haben die Evangelischen Kirchen als Losung ausgegeben für 2019. „Jagt dem Frieden nach.“ Mmmh.
Wie macht man das, als Mann, dem Frieden nachjagen? Auf uns Männer konzentriere ich mich, weil Frauen machen sich bestimmt ihren eigenen Kopf.

Für die Antwort halte ich mich an zwei Männer. Die haben mich Ende letzten Jahres sehr beeindruckt. Der eine ist Denis Mukwege, Friedensnobelpreisträger, der andere Alexander Gerst. Kommandant auf der ISS.

Denis Mukwege, Friedensnobelpreisträger, Arzt aus dem Kongo. Er operiert und behandelt Frauen, die von Männern vergewaltigt und verstümmelt worden sind. Dem Frieden nachjagen bedeutet für ihn als Christ: „Wir haben die Wahl. Ob wir Gewalt gegen Frauen stoppen. Wir haben die Wahl, ob wir eine positive Männlichkeit schaffen, die sich für die Gleichstellung der Geschlechter einsetzt, im Frieden wie in Kriegszeiten“ sagt Denis Mukwege.
„Positive Männlichkeit“ schaffen, das ist dem Frieden nachjagen. Weil die Frauen, die zu ihm ins Krankenhaus kommen, sind auch „Produkte“ von „Männlichkeit“. Aber einer negativen. Es ist üblich, was da als männlich gilt. Da fühlt sich Mann als Mann, wenn er stark ist, andere erniedrigt, Gewalt übt. Aber Denis Mukwege meint: Erniedrigen und zerstören ist unmännlich. Und unchristlich. Männlich ist Leben aufbauen, heilen. Männlich sein heißt, dem Leben dienen.

Alexander Gerst ist für mich auch einer, der dem Frieden nachjagt: In seiner Botschaft an die ungeborenen Enkel. Gesendet letzten November von der ISS, 400km hoch über der Erde.
„Im Moment sieht es so aus, dass ich mich bei Euch entschuldigen muss“ hat Gerst gesagt. „Weil wir, meine Generation, Euch den Planeten nicht im besten Zustand hinterlassen werden. ...Es ist uns bewusst, dass wir den Planeten mit CO2 verpesten. Dass wir zum Großteil sinnlose Kriege führen.
Ich hoffe sehr für Euch, dass wir die Kurve kriegen. Hoffentlich lernen wir noch dazu: ..Dass das zerbrechliche Raumschiff Erde viel kleiner ist, als die meisten Menschen sich das vorstellen können. Dass es sich lohnt mit seinen Nachbarn gut auszukommen... Das einzige, was mir bleibt, Eure Zukunft möglich zu machen und zwar die beste, die ich mir vorstellen kann.

Wie jagt man als Mann dem Frieden nach? „Positive Männlichkeit schaffen und enkeltauglich leben.“ Vielleicht kann man so kurz und knapp zusammenfassen, was die zwei meinen. Ein toughes Programm für uns Männer. Aber die Frauen und die Enkel hätten es verdient, finden Sie nicht?

(übernommen von der Webseite der Evangelischen Kirche in Baden - von dort auch der Audiomitschnitt zum Nachhören)

 

Such Frieden! - Aber wie?

Marie-Louise Scheuble, Pfarrerin i.P. in der Gemeinde "Mittleres Neckartal" (Neckargerach, Guttenbach, Zwingenberg, Binau) - Gedanken für die Tageszeitung

"Suche Frieden und jage ihm nach!" (Ps 34,15) Haben wir die diesjährige Jahreslosung noch im Blick oder können wir sie schon nicht mehr hören? Auch wenn uns das Jahr 2019 schon äußerst vertraut ist, wir haben erst Februar und stehen somit noch am Anfang des Jahres 2019.
Suche Frieden! Ja, aber wie? Ich bin doch nicht verantwortlich für die Geschehnisse der Welt. Und überhaupt: Mein Alltag hat mich fest im Griff. Frieden suchen, was bringt das schon?
Eine ganze Menge!

Bei Frieden denken wir immer gleich an Weltfrieden. Schließlich gibt es viele Nachrichten von Kriegen in der Welt und machtgierigen Menschen, die Frieden zerstören. Doch Friede muss nicht immer groß und allumfassend gedacht werden. Friede kann auch schlicht und einfach verstanden werden: Frieden mit sich selbst. Wenn man abends in den Spiegel schaut und sagt: Ich bin gut so, wie ich bin. Das ist auch Friede. Eigene Schattenseiten und Makel kennen und trotzdem liebevoll und sorgsam mit sich umgehen. Diesen Frieden sollen wir suchen und ihm nachjagen.

Wer friedlich mit sich lebt, der kann erkennen, dass Gott uns seinen Frieden schenkt. Immer wieder neu tut er das. Und wir brauchen Gottes Frieden für unser Leben. Denn dieser umfasst mehr, als wir uns vorstellen können. Leben und Segen, Begleitung und Zuwendung, Begegnung auf Augenhöhe und Zukunft. Leider merken wir oft gar nicht, was Gott uns durch seinen Frieden alles schenkt und wie sehr dieser Friede unser Leben lebenswert macht. Und Gott schenkt uns reichlich!

Wieso haben wir Angst, Frieden in die Welt hinauszutragen? Wie die Liebe wird Friede größer, wenn man ihn teilt. Seien Sie also verschwenderisch! Suchen Sie Frieden und jagen ihm nach. Nutzen Sie jede freie Sekunde dafür. Denn es lohnt sich!

Fangen Sie bei sich an, um ein Gespür für Frieden zu bekommen. Öffnen Sie dann Ihre Augen, Herzen und Ohren für Gottes Frieden. Der letzte Schritt ist, Frieden in die Welt zu tragen. Denn wer mit sich im Frieden ist und Gottes Frieden spürt, kann friedlicher mit anderen zusammenleben. Fangen Sie klein an. Begegnen Sie Ihren Mitmenschen doch einmal in Gottes Frieden. Das gelingt, wenn Sie Ihre Mitmenschen beispielsweise auf Augenhöhe betrachten. Dann können Sie den göttlichen Funken entdecken, den Gott in jede und jeden selbst hineingelegt hat. Dann können Sie die göttliche Zusage spüren: Ich bin da!

In diesem Sinne:
Suche Frieden und jage ihm nach (Ps 34,15)

 

Welche Art von Hartnäckigkeit beim Frieden-Jagen?

Richard Lallathin, Pfarrer in der Johannes-Diakonie Mosbach u.a. - Gedanken für die Tageszeitung

Mein Patenonkel war Jäger. Stundenlang saß er auf seinem Hochsitz, um Ausschau  nach dem Wild zu halten. In dem schwäbisch-schaffigen Umfeld meiner Familie kam das nicht so gut an. Jetzt, da ich die neue Jahreslosung meditiere, erinnere ich mich fast mit Erleichterung an diesen Ausschnitt meiner Familiengeschichte. Die Jahreslosung lautet: „Suche den Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 43,15). Meine Erinnerung an meinen Jäger-Onkel nimmt etwas von der Härte des Bildes vom „Jagen“. Erst unlängst wurde das Bild vom Jagen (in diesem Fall vom Jagen des politischen Gegners) ja in die politische Diskussion eingebracht, und zwar im Sinne von Ungeduld, Härte und Kompromisslosigkeit. Im Zusammenhang der „Friedensuche“ sind das Beschreibungen, die durchaus dazugehören: Der Frieden auf Erden lohnt allen menschlichen Einsatz. Dazu kann Ungeduld gehört, dazu kann auch mal Härte notwendig sein und schließlich dürfen zur Erreichung des Zieles keine falschen Kompromisse eingegangen werden. Und dennoch verbinden wir mit dem Frieden zuallererst andere Beschreibungen: Gewaltlosigkeit, Friedfertigkeit, Demut, eigene Interessen hintanzustellen, die Suche nach Kompromissen, die Bereitschaft zur Versöhnung, die Fähigkeit, sich in die Rolle des anderen hineinversetzten zu können. Das sind alles Wörter und Begriffe die so ziemlich das Gegenteil vom „Jagen“ sind.  Aber wie gesagt: Zum Jagen in weidmännischer Hinsicht gehört auch das genaue Beobachten, Stille und Aufmerksamkeit für das, was um den Jäger vor sich geht. So, wie es bei der Suche nach Frieden auch darum geht, aufmerksam zu sein für die Bewegungen in dieser Welt, Geduld zu haben mit den Menschen.

Vor gut 100 Jahren endete das große Sterben auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges. Es waren danach zu wenige, die einen Frieden suchten, der aufmerksam war für die Gedanken und Verletzungen der ehemaligen Gegner. Dafür setzte bald im Inneren die Jagd auf politische Gegner ein und nach außen wurde der unversöhnliche Zorn auf die Feinde im zurückliegenden Krieg genährt.

Ob wir – nach noch weit bittereren Erfahrungen im 2. Weltkrieg – gelernt haben, was uns der Psalmbeter empfiehlt und Jesus in seiner Bergpredigt uns sagt: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen“?

 

Meditation über (Friedens-)Tauben

Birgit Lallathin, Pfarrerin in der Johannes-Diakonie Mosbach u.a. - zum eigenen Jahreslosungs-Plakat

Seit wann gelten Tauben eigentlich als ein Symbol des Friedens? Wer mag als Erstes auf diesen Gedanken gekommen sein?
Wer Tauben in der Natur beobachtet, kann nur den Kopf schütteln. So friedlich, wie man romantischerweise denken mag, sind Tauben nämlich gar nicht. Sie benehmen sich eher prollig! Tut mir leid, wenn ich jetzt eventuell Taubenzüchter und ihre Lieblinge beleidige. Im Vergleich zu Falken etwa, obwohl diese jagen, sind Tauben Straßenkämpfer: Durchschnittlich 2000 (!) Kämpfe pro Jahr, das haben Vogelkundler ausgerechnet, ficht eine Taube aus. Nicht nett! Revierkämpfe, Futterkämpfe, kein Gedanke an Friedensaktivität!

Den meisten von uns ist die biblische Erzählung aus 1. Mose 8 im Sinn, wenn sie an die Friedenstaube denken: Eine furchtbare Flut hatte die Erde mit all ihrer Bosheit nahezu vernichtet, nur Noah und die Seinen, die Tiere in der Arche waren verschont. Nun warten sie gespannt auf das Ablaufen des Wassers. Wird es einen Neuanfang geben? Wird Gott sie leben lassen? Viermal schickt Noah einen Vogel aus, um die Lage zu erkunden: Der Rabe fliegt ruhelos umher, die erste Taube findet keinen Ort und kehrt zurück, erst beim dritten Ausflug kehrt die Taube mit dem berühmten Olivenzweig im Schnabel zurück. Ein Zeichen, dass das Leben auf der Erde wieder begonnen hat. Als die Taube zum letzten Mal ausfliegt, kehrt sie nicht zurück und Noah weiß, dass auch die Geretteten langsam dauerhaft auf das trockene Land zurückkehren können.

Beginnt jetzt ein Friedensreich? Wird alles gut? Es hätte so schön werden können. Aber wir alle wissen, dass trotz des neuen Bundes zwischen Noah und Gott, seinem Versprechen, dass nie wieder eine solche Flut das Leben vernichten wird, erneut Krieg, Not und Ausbeutung die Erde heimsuchen wird. Trotzdem wird in dem biblischen Bericht die Hoffnung auf Frieden im Bild der Taube ausgedrückt.

Jahreslosung 2019 - mit Tauben auf dem Dach und in der HandEs bleiben Widersprüche: Genauso wenig wie die Taube ein friedliches Tier ist, genauso wenig taugt der Mensch dazu. Obwohl er zum Frieden bestimmt ist! Jeder und jede weiß um die Notwendigkeit des Friedens und in jedem Herz wächst wie ein Virus der Unfriede und pflanzt sich fort. Die realen Tauben auf der Dachrinne scheinen auf das schemenhafte Versprechen unter ihnen zu schauen. Fliegen auch sie gleich los, wie die weiße Taube auf Friedensmission? Oder: suchen sie eher einen Nistplatz? Warten sie auf den nächsten Futterbrocken, den sie einer unachtsamen Artgenossin abjagen können?
Den Frieden jagen wie das nächste Futter: Ein interessantes Bild: Frieden ist ein Ziel, das mit Anstrengung, Mut und Tat zu suchen und zu jagen ist. Frieden fällt nicht in den Schoß oder wie Regen vom Himmel. Frieden ist eine Anstrengung.

Im Jahre 1949, vor genau 70 Jahren, wird im Weltfriedenskongress in Paris nach der Katastrophe der beiden Weltkriege um den Frieden gerungen. Pablo Picasso schafft mit seiner Friedenstaube das Symbol dazu. Die Sehnsucht, endlich Frieden zu schaffen, ist riesengroß. Und dennoch scheint Frieden ein fast unerreichbares Ziel zu sein.

Gott aber hört nicht auf zu mahnen, die Suche nicht aufzugeben, das Ziel zu verfolgen, nach dem Frieden zu jagen. In der Jahreslosung wird nicht anonym eine Völkergemeinschaft angesprochen und ausgesandt, den Frieden zu suchen: Es ist, erstaunlicherweise, der Einzelne, dessen Herz und Verstand angemahnt wird: „Suche du(!) den Frieden“, können wir lesen. Vermutlich schaffen wir Menschen es nicht allein, nicht aus uns heraus, den Frieden zu fördern. Zu viel in uns spricht dagegen. Erlöst durch Jesus Christus erst sind wir befreit, zum Frieden zu gelangen. Befreit und ausgesandt in seinem Namen Friedensdienst in der Welt zu tun.

„Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
dass ich verbinde, wo Streit ist,
dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht,
dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt,
dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.“
(Souvenir normand, 1913)

 

Frieden auf meinem Lebensweg - Gedanken zum Bildmotiv

Renate Karnstein (Text), Stefanie Bahlinger (Bildmotiv) - für den Verlag am Birnbach

Nur noch selten kommt die ganze Familie zusammen. Alle wohnen inzwischen weit verstreut. Wenn sie dann um einen Tisch sitzen, trifft Vieles aufeinander. Unsichtbar mit dabei ist bei den meisten aus der Runde der Wunsch, es möge doch alles friedlich und harmonisch zugehen und bitte kein Thema zur Sprache kommen, bei dem der Konflikt schon vorprogrammiert ist. Da reichen oft schon gewisse Stichworte … Und immer gibt es die, die mit Begeisterung darauf eingeht und ein Kämpfchen wagt, und auch den, der schnell alle Wogen zu glätten versucht.

Was tun wir nicht alles „um des lieben Friedens willen“? Wie viel wird unter den Teppich gekehrt? Da kann es so lange liegen, bis irgendwer irgendwann darüber stolpert. Dann ist es schnell um den „lieben Frieden“ geschehen. Er ist kein Dauergast, der einfach so mit am Tisch sitzt und ein friedliches Miteinander garantiert. Weder in unseren Familien und unserer Gesellschaft, noch in unserer Welt, auch nicht in unseren Kirchen und Gemeinden. Überall erleben wir, wie zerbrechlich und flüchtig der Friede ist. Wie leichtfertig und oft auch unbedacht wir ihn aufs Spiel setzen.

Frieden ist ein Dauerthema – nicht erst heute, sondern schon zu biblischen Zeiten.

Der Verdacht legt sich nahe, dass so viel von ihm geredet wird, weil wir ihn so sehr vermissen und es an allen Ecken und Enden brennt. Viele sehnen sich danach und scheitern doch daran, ihn zu leben. Anspruch und Wirklichkeit klaffen oft weit auseinander.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“, fordert David im 34. Psalm. Dabei könnte er in seiner Situation auf ganz andere Gedanken kommen. Er ist auf der Flucht vor dem übermächtigen König Saul, der ihm seine Erfolge neidet und ihm nach dem Leben trachtet. Unzufriedenheit kann schnell zur Wurzel von Hass und Entzweiung werden. Wie oft sind der neidvolle Blick auf andere oder unterschwellige Sorgen, im Leben zu kurz zu kommen, Ursache für Streit und Auseinandersetzungen! Wo quält uns die meist uneingestandene Angst, an Einfluss, Ansehen oder Macht zu verlieren?

„Schalom“

Im hebräischen Denken bedeutet „Frieden“ weit mehr als nur die Abwesenheit von Streit und Krieg, auch keine Friedhofsruhe. „Schalom“ meint eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen, unversehrten Welt, in der keine Gefahr mehr droht. „Schalom“ ist die unverbrüchliche Hoffnung auf ein gerechtes und alle Feindschaft überwindendes Miteinander der ganzen Schöpfung: „Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserm Land Ehre wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue“. (Psalm 85,10-12)

Diese Friedensbotschaft ist Kern aller prophetischen Verkündigung und Erwartung. So hofft und verheißt der Prophet Micha: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen“. (Micha 4, 3ff) Letztlich kann nur einer die zerstörte und zerstrittene, von Gott abgefallene Schöpfung am Ende der Zeiten wieder zurecht bringen und heilen: der von Gott eingesetzte Friedenskönig, der von Israel sehnsüchtig erwartete Messias.

Jahreslosung 2019 - Motiv von Stefanie Bahlinger: weißes Kreuz vor bunter Stadt mit Menschen verschiedener Sprachen bzw. SchriftenSuche Frieden und jage ihm nach!

Ein strahlend weißes Kreuz erstreckt sich über die gesamte Grafikcollage Stefanie Bahlingers und reicht sogar darüber hinaus. Es sprengt Raum und Zeit, verbindet Himmel und Erde, umfasst alles, was war, was ist und was noch sein wird. Die Künstlerin wählt ein Kreuz als Zeichen des Friedens. Den Ort, an dem Christus alle feindlichen Mächte besiegt hat. Am Kreuz hat Gott mit uns Menschen und seiner ganzen Schöpfung Frieden geschlossen. Auf unserer Suche nach gerechtem Frieden im Kleinen wie im Großen kommen wir nicht am Kreuz vorbei! Wie die vielen Menschen in der Grafik, die einander ohne trennende Mauern und Grenzen ganz nah sind. Sie geben einander Halt und leuchten in den Regenbogenfarben, die wie durch ein Prisma vom reinen Weiß des Kreuzes reflektiert werden. Da stören keine Unterschiede, auch nicht der Herkunft, angedeutet durch die aneinandergefügten Schriftfragmente des Vaterunsers in verschiedenen Sprachen. Ihre Anordnung erinnert an ein „Haus lebendiger Steine“, mit dem das Reich Gottes immer wieder verglichen wird. Möglicherweise bilden die Personen auch eine „Menschentraube“ als Hinweis auf Jesu Rede vom Weinstock und seinen Reben, die nur am Weinstock Frucht bringen können. Allein, abgelöst von ihm und seiner Gemeinde lebt es sich gefährlich: „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. (…) Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ (Matthäus 10, 16 u. 34), sagt Jesus zu den Menschen, die ihm nachfolgen. Was für eine Zumutung! Genauso deutlich lässt er sie wissen: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ (Johannes 14, 27) Was für eine Verheißung! Diese Spannung mag verwirren und ist nicht einfach zu lösen.

„Amen“

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ - geht nur mit der Bereitschaft, die Blickrichtung zu wechseln und sich von Christus immer wieder neu ausrichten zu lassen. Die Farben verlieren sich zum unteren Bildrand hin, an dem alle Unterschiede nahezu aufgehoben und dem Weiß des Kreuzes angeglichen sind. „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen“, (Matthäus 5, 9) verspricht Jesus in der Bergpredigt. Als seine Kinder sind wir dazu berufen, Licht der Welt zu sein. Wie die einladende, helle Stadt auf dem Berg im Hintergrund.

Zu ihr zieht es auch die Menschen am rechten und linken Rand. Deutlich „gebrochene“, grau-schwarze Existenzen sehnen sich mit ihren abgeknickten und kaputten Beziehungen nach Heilsein, nach dem Schalom! In den Bruchstücken ihres Lebens sind auch Ausschnitte des Vaterunsers zu lesen: „… vergib uns unsere Schuld …“ Frieden und Versöhnung zu leben, ist eine Überforderung, wenn wir dabei nur von unseren Möglichkeiten ausgehen. So steht auch das „Amen“ direkt am Fuß des Kreuzes. Frieden und Versöhnung zu leben, haben wir nie im Griff. Und doch sind wir dazu aufgerufen: Suche Frieden und jage ihm nach!

Was lähmt und hindert mich daran, in Frieden zu leben?

Die Grafik stellt Phasen meines Lebens in seiner ganzen Bandbreite dar und mutet mir ganz persönliche Fragen zu: Wo würde ich mich selber gerade ansiedeln? Wo sind Beziehungen zerbrochen? Welche Trümmer liegen im Weg und könnte ich aus dem Weg räumen? An welcher Stelle sollte ich von meiner festgefahrenen Sicht der Dinge Abstand nehmen und vielleicht nicht länger auf mein Recht pochen und alte Wunden lecken? Was lähmt und hindert mich daran, in Frieden zu leben? Auch mit mir selber und meiner Geschichte …

Manchmal scheint es leichter zu sein, sich für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt zu engagieren, als sich den Herausforderungen in unmittelbarer Nähe zu stellen. Das eine darf das andere aber nicht ausschließen.

Suche Frieden und jage ihm nach!

Christus lädt uns ein in seinen Frieden. An uns liegt es, wie wir uns an ihn und seine Versöhnungskraft „binden“ lassen, angedeutet durch die beiden goldenen Diagonalen in der Mitte des Kreuzes. Dann bleibt es nicht aus, dass wir seinen Frieden an unserem Platz wiederspiegeln. Oft nur verschwommen und flüchtig. Bis am Ende der Zeiten der ewige Schalom anbricht:
Dafür steht der goldene Bogen am oberen Rand der Grafik. Wenn Jesus durch das goldene Tor in Jerusalem kommt, bricht für alle sichtbar das ewige Friedensreich an: „Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ (Lukas 13, 29)

Bei diesem großen Festmahl wird der Friede als „Dauergast“ mit am Tisch sitzen.
Das garantiert der Gastgeber persönlich!