Gott spricht: Suche Frieden und jage ihm nach!

 Jahreslosung im Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

 

 

„Hongkong braucht unser Gebet"

Roman So Lok-Man ist 29 Jahre alt, von Beruf Bauarbeiter. Vergangenen Sonntag lief er mit seiner Kerze mit bei der friedlichen Demonstration der Kirche in seiner Stadt HongKong. „Glaube kann über die politische Spaltung hinweg helfen und die klaffenden Wunden in unserer Gesellschaft heilen“, so seine Überzeugung in einem Interview mit der „South China Morning Post“.

Als Pfarrer der deutschen Gemeinde und als Gast in diesem Land bin ich gehalten, mich aus inneren politischen Angelegenheiten heraus zu halten. Und dennoch kann ich mich dem Dilemma nicht entziehen: Natürlich bin ich für Demokratie! Selbstverständlich wünsche ich mir Frieden! Und klar, an meinem neuen Wohnort suche auch ich „der Stadt bestes“ (Jeremia 29, 7).

Letzten Montag war eine Kundgebung direkt vor unserer Haustüre. Freundlich blickende, schwarz gekleidete Menschen kamen vom Bahnhof zum nahegelegenen Park. Verliebt liefen zwei Jugendliche Hand in Hand, bevor sie sich der Demonstration anschlossen. Dann hörten wir von Weitem den friedlich klingenden Redner im Belchers Bay Park. Eine Stunde nach Ende der Kundgebung waren die Straßen leer, an den Gehwegen die Geländer heraus gerissen: Barrikaden für dreißig Minuten, der Rollladen eines Geschäftes an der Straßenecke demoliert, Schaden für mehrere Wochen, Kopfschütteln der Passanten.

Wir sind neu hier und verstehen Vieles nicht. Deutsche, die schon länger hier sind, erzählen von chinesischen Freunde unter den Demonstranten. Neuerding mehren sich die kritischen Stimmen: „Wir wollen doch eigentlich Frieden“. Die Kirchen haben sich deutlich positioniert. Sie sind auf Seiten derer, die ihre Freiheit erhalten möchten. Und dennoch rufen jetzt auch führende Christen dazu auf, jetzt eine Zeitlang inne zu halten: „Auch wenn man mich für naiv hält: Unsre Gesellschaft sollte zwei oder drei Monate Zeit haben für Vertrauensbildung und Dialog“, sagt Weihbischof Joseph Ha.

Am Sonntag werden nach dem Gottesdienst wieder Christen friedlich demonstrieren. Auch hier braucht es eine Revolution der Kerzen und der Herzen. Die Christen in HongKong wissen nicht, in welche Richtung es sich entwickeln wird. Diese Millionenstadt braucht unser und euer Gebet.

 

Martin Sommer

Ehemals Neckarburken, jetzt
Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in HongKong.

 


 

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Ich will des HERRN Zorn tragen, denn ich habe wider ihn gesÞndigt.
Micha 7,9

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